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Wohnklima22. September 2026· Redaktion: Fensterluke Team

Neue Fenster, alte Gewohnheiten und warum der Schimmel sich darüber freut

Dichte Fenster halten die Wärme drin und leider auch die Feuchtigkeit. Warum Gerichte das Lüften inzwischen sehr genau nehmen und wie du ohne Kipplüfterstress durch den Winter kommst.

Ende September passiert in deutschen Wohnungen jedes Jahr dasselbe. Die Heizung gluckert zum ersten Mal, draußen wird es morgens neblig, und irgendwo im Schlafzimmer steht ein Wäscheständer, der dort eigentlich nur „kurz“ stehen sollte. Drei Wochen später entdeckt jemand hinter dem Kleiderschrank einen grauen Fleck, der nicht nach Staub aussieht. Und wenn im Frühjahr neue Fenster eingebaut wurden, fällt der Verdacht meistens sofort auf die neuen Fenster.

Das ist verständlich und gleichzeitig ziemlich unfair gegenüber den Fenstern. Denn sie machen genau das, wofür man sie gekauft hat. Sie sind dicht. Und genau darum geht es in diesem Artikel.

Was die Gerichte gerade dazu sagen

Zwei Urteile aus dem vergangenen Jahr werden pünktlich zur Heizperiode wieder fleißig herumgereicht, und beide sind für alle interessant, die frisch saniert haben oder in einer Wohnung mit neuen Fenstern wohnen.

Das Landgericht Landshut hat am 8. Januar 2025 (Az. 15 S 339/23) eine Schimmelklage eines Mieters abgewiesen. Der Schimmel kam nach Überzeugung des Gerichts vom Lüftungsverhalten und nicht vom Gebäude. Der Clou an dem Fall ist das Timing. Die Fenster waren bereits 2001 getauscht worden, und der Vermieter hatte 2010 darauf hingewiesen, dass nun mehr gelüftet werden muss. Das reichte dem Gericht als Hinweis. Ein ausgefeiltes Lüftungskonzept musste der Vermieter nicht liefern. Zumutbar sei, zweimal täglich rund zehn Minuten zu lüften und zusätzlich die Feuchtespitzen nach Duschen, Kochen oder Wäschetrocknen abzufangen, so fasst es die Kanzlei aus Kreuztal zusammen, die den Fall aufbereitet hat.

Noch deutlicher endete ein Fall vor dem Landgericht Gießen (Urteil vom 6. Juni 2025, Az. 1 S 171/23), über den unter anderem WEG Seminare im Juni 2026 berichtet hat. Die Mieter hatten wegen Schimmel kräftig die Miete gemindert, die Vermieterin kündigte wegen der aufgelaufenen Rückstände fristlos. Das Gericht stellte fest, dass das Gebäude den technischen Anforderungen seiner Bauzeit entsprach und die Bewohner deutlich seltener gelüftet hatten als nötig. Zwei bis drei Lüftungsvorgänge am Tag seien einem Mieter grundsätzlich zuzumuten. Die Minderung war damit unberechtigt, die Kündigung wirksam, die Mieter mussten raus.

Man muss kein Jurist sein, um die Botschaft zu verstehen. Wer Feuchtigkeit produziert, muss sie auch wieder loswerden. Und seit die Fenster dicht sind, macht das niemand mehr heimlich für dich.

Warum alte Fenster so „gut“ gegen Schimmel waren

Alte Holzfenster mit ausgeleierten Dichtungen waren im Grunde eine Dauerlüftung, für die man nie einen Knopf drücken musste. Es zog ein bisschen, die Gardine bewegte sich bei Wind wie von Geisterhand, und die feuchte Luft vom Nudelwasser fand irgendwie ihren Weg nach draußen. Dazu kam, dass die Scheibe oft die kälteste Stelle im Raum war. Das Kondenswasser lief also morgens innen am Glas herunter, man wischte es mit dem Geschirrtuch weg und hielt das für eine Eigenart des Hauses.

Neue Fenster drehen beides um. Die Fugen sind zu, der Luftaustausch nebenbei fällt weitgehend weg, und die Scheibe ist nicht mehr die kälteste Fläche. Das ist bauphysikalisch ein Fortschritt, hat aber eine Nebenwirkung. Die Feuchtigkeit schlägt sich jetzt dort nieder, wo es als nächstes kalt ist. Das sind gern Außenecken, Fensterlaibungen, die Wand hinter dem Sofa oder eben die Rückseite des Kleiderschranks. Das Umweltbundesamt sagt es ohne Umschweife. Wer neue Fenster bekommt, die weniger Luft durchlassen, muss vermehrt aktiv lüften.

Mit anderen Worten, du hast eine Dauerlüftung gegen ein dichtes Haus getauscht. Jetzt bist du die Lüftung.

Wie Lüften im Winter wirklich funktioniert

Die gute Nachricht ist, dass richtiges Lüften in der kalten Jahreszeit schneller geht als im Sommer. Kalte Außenluft ist trocken und tauscht sich zügig mit der warmen Raumluft aus. Das Umweltbundesamt empfiehlt in den kalten Monaten zwei bis dreimal täglich etwa fünf Minuten pro Raum, mit einem oder mehreren weit geöffneten Fenstern. Der Deutsche Mieterbund sieht das ähnlich und rät, die Fenster kurz ganz zu öffnen, morgens, nachmittags und abends. Querlüften, also gegenüberliegende Fenster gleichzeitig auf, ist dabei die Königsdisziplin. Das LG Landshut hat sich dazu übrigens einen Gutachterwert zu eigen gemacht, nach dem Querlüften einen um ein Vielfaches höheren Luftwechsel bringt als ein einzelnes offenes Fenster.

Und dann wäre da noch das Kippfenster. Es ist das Lieblingswerkzeug aller, die „eigentlich eh ständig lüften“. Das Problem ist, dass ein dauerhaft gekipptes Fenster im Winter vor allem den Sturz und die Laibung drumherum auskühlt. Genau dort schlägt sich dann Feuchtigkeit nieder. Das Umweltbundesamt warnt außerdem, dass Dauerkippen den Energieverbrauch und die Heizkosten drastisch erhöht. Du heizt also die Straße und züchtest nebenbei Schimmel am Fenstersturz. Keine gute Bilanz.

Eine Ausnahme gibt es, und die ist gar nicht so bekannt. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen empfiehlt nach großen Feuchtequellen wie Duschen, Kochen oder dem Schlafen ein kurzes Durchlüften, gefolgt von zwei bis drei Stunden Kipplüften. Der Unterschied zum Dauerkippen liegt im Wort „danach“ und in der Begrenzung. Das Fenster steht nicht den ganzen Winter schräg, sondern hat einen klaren Auftrag.

Der Wäscheständer im Schlafzimmer

Wir müssen über ihn reden. Eine Maschine Wäsche gibt beim Trocknen eine ordentliche Menge Wasser an die Raumluft ab, und die will irgendwohin. Im Schlafzimmer, das meist kühler ist als der Rest der Wohnung, landet sie bevorzugt an der Außenwand. Das Umweltbundesamt rät, Wäsche möglichst draußen oder in einem Trockenraum zu trocknen und sonst zusätzlich zu lüften. Wer keinen Keller und keinen Balkon hat, stellt den Ständer besser in einen gut geheizten Raum, lässt die Tür zu und lüftet ein paar Mal extra.

Schlafzimmer sind ohnehin eine eigene Baustelle. Nachts atmen zwei Menschen stundenlang in einen kleinen, kühlen Raum. Der Mieterbund nennt als Orientierung 20 Grad in Wohnzimmer, Kinderzimmer und Küche, 21 Grad im Bad und nachts 14 Grad im Schlafzimmer. Je kälter der Raum, desto früher kondensiert die Feuchtigkeit an den Wänden. Morgens einmal richtig durchlüften ist deshalb Pflicht, bevor du das Bett machst.

Ein Hygrometer für ein paar Euro

Das Umweltbundesamt nennt 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte als Bereich, in dem das Schimmelrisiko gering bleibt, und empfiehlt dafür ein günstiges Hygrometer. Das klingt spießig, ist aber die ehrlichste Anschaffung des Herbstes. Das Gefühl „hier ist doch gute Luft“ täuscht nämlich zuverlässig. Wer einmal gesehen hat, wie die Anzeige nach dem Duschen oder nach einer Nacht zu zweit hochgeht, lüftet danach ganz von allein anders.

Ein paar Kleinigkeiten helfen zusätzlich. Große Möbel nicht direkt an Außenwände schieben, ein paar Zentimeter Abstand lassen. Selten genutzte Räume nicht komplett auskühlen lassen und die Türen zu kühleren Räumen geschlossen halten, damit die warme, feuchte Luft nicht dorthin wandert und sich an kalten Wänden absetzt. Und Kondenswasser, das sich doch einmal am Fensterrahmen sammelt, einfach wegwischen, statt es als Wetterbericht zu betrachten.

Wenn du gerade über neue Fenster nachdenkst

Nichts davon ist ein Grund, bei den alten Fenstern zu bleiben. Dichte, gut gedämmte Fenster sparen Heizenergie, machen es leiser und verhindern die kalten Zonen direkt am Glas. Man muss nur wissen, dass sich mit ihnen die Spielregeln ändern. Wer einen Fenstertausch plant, sollte das Lüften gleich mitdenken. Manche Haushalte kommen mit konsequentem Stoßlüften gut zurecht, bei anderen lohnt es sich, mit einem Fachbetrieb über eine Lüftungslösung zu sprechen, besonders in Bädern ohne Fenster oder in sehr dicht sanierten Altbauten. Und wer vermietet, tut sich nach den beiden Urteilen oben selbst einen Gefallen, wenn er die Mieter nach dem Austausch schriftlich auf das geänderte Lüften hinweist.

Falls du schon eine Vorstellung davon hast, welche Größe, Öffnungsart und Verglasung deine neuen Fenster haben sollen, kannst du das im Fensterkonfigurator bei Fensterluke in Ruhe durchspielen und siehst direkt, was dabei herauskommt. Das Lüften musst du danach zwar trotzdem selbst übernehmen. Aber immerhin mit Fenstern, die sich weit und ohne Klemmen öffnen lassen.

Redaktion und Quellen

Verantwortlich für Inhalt und Aktualisierung: Fensterluke Team.

Zu diesem Beitrag sind die unten aufgeführten Originalquellen hinterlegt. Eine zusätzliche namentliche Fachprüfung ist derzeit nicht dokumentiert.

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